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  • AutorenbildFisnik Komoni

Grundlagen der neuen Weltordnung


Es hat den Anschein, als könnten alle Geschöpfe allein und auf sich gestellt leben. Ein Baum zum Beispiel kann ganz einsam und allein in einer Ebene, in einem Tal oder an einem Bergeshang stehen. Ein wildes Tier, hoch oben im Gebirge, oder ein Vogel — sie können ein Einsiedlerleben führen. Sie brauchen keine Zusammenarbeit, keine Solidarität. Solche Lebewesen erfreuen sich des größten Wohlbehagens und des Glücks, wenn sie ganz auf sich selbst gestellt sind.


Im Gegensatz hierzu kann der Mensch nicht einsam und allein leben. Er braucht ununterbrochene Zusammenarbeit und gegenseitige Hilfe. Ein Mensch, der zum Beispiel in der Wildnis allein dahinvegetiert, wird früher oder später Mangel leiden. Allein und auf sich gestellt, kann er sich niemals mit allen lebensnotwendigen Gütern versorgen. Er bedarf des Zusammenwirkens und der Wechselseitigkeit.

Das Mysterium dieser Erscheinung, die Ursache dieses Zustands liegt darin, daß die Menschheit aus einem einzigen Ursprung erschaffen wurde und sich von einer einzigen Familie her ausgebreitet hat. So stellt die ganze Menschheit in Wirklichkeit eine einzige Familie dar. Gott hat keinerlei Unterschied erschaffen. Er hat alle als Einheit erschaffen, damit diese Familie in vollkommenem Glück und in Wohlfahrt lebe.

Wechselseitigkeit und Zusammenarbeit: Jedes Mitglied des gesellschaftlichen Organismus sollte im höchstmöglichen Wohlbehagen und Wohlstand leben können; denn jedes einzelne Glied der Menschheit ist eine Zelle des gesellschaftlichen Organismus. Wenn ein Mitglied der Gesellschaft in Not gerät oder von einer Krankheit heimgesucht wird, leiden zwangsläufig alle anderen Mitglieder darunter. Das Auge zum Beispiel ist ein Teil des menschlichen Organismus. Wird das Auge beeinträchtigt, so leidet das gesamte Nervensystem darunter. Wenn demnach ein Glied des gesellschaftlichen Organismus krank wird, sind vom Standpunkt mitleidender Verbundenheit her alle davon mitbetroffen; denn das kranke Glied ist Teil einer Gruppe von Gliedern, ein Teil des Ganzen. Wenn in einem Organismus ein Glied oder Teil Not leidet, können sich dann gleichzeitig die anderen Glieder wohlfühlen? Nein, das ist unmöglich! Folglich ist es der Wunsch Gottes, daß im gesellschaftlichen Organismus der Menschheit jeder einzelne vollkommene Wohlfahrt und uneingeschränktes Wohlbehagen genießt.

Wiewohl der gesellschaftliche Organismus eine einzige Familie ist, leben doch aus Mangel an harmonischen Beziehungen manche Mitglieder im Wohlstand, manche in krassem Elend; manche sind satt, andere sind hungrig; manche Glieder sind mit kostbarsten Gewändern geschmückt, andere Familien haben weder Nahrung noch Obdach. Warum? Weil der menschlichen Großfamilie die notwendige Wechselseitigkeit, die soziale Symmetrie fehlt. Der Haushalt dieser Familie ist unordentlich; er steht nicht unter einem vollkommenen Gesetz. Keines der Gesetze, die gegeben [Seite 1047]werden, sichert das Glück. Keines sorgt für allgemeines Wohlergehen. Deshalb muß dieser Familie ein Gesetz auferlegt werden, durch welches alle ihre Glieder gleichermaßen Wohlfahrt und Glück genießen werden. Kann ein Familienmitglied tiefstem Elend und schlimmster Armut ausgesetzt bleiben, wenn gleichzeitig die übrige Familie im Wohlstand lebt? Das ist nur möglich, wenn der Rest der Familie gefühllos, geistig verkümmert, ungastlich und lieblos ist. Dann können diese anderen sagen: „Wenn es auch Glieder unserer Familie sind, laßt sie doch allein! Wir kümmern uns um uns selbst. Sollen sie doch sterben! Wenn es nur mir gut geht, wenn nur ich geehrt werde und glücklich bin! Das ist mein Bruder — soll er doch sterben! Wenn er bisher im Elend lebte, kann er auch im Elend bleiben, so lange es nur mir gut geht. Wenn es ihm an Kleidung fehlt: So lange ich angezogen bin, kann er ruhig bleiben, wie er ist. Wenn er obdachlos und heimatlos ist, soll er doch in der Wildnis bleiben, wenn nur ich eine Wohnung habe!“

Diese offenkundige Gleichgültigkeit in der menschlichen Familie beruht auf dem Mangel an Überwachung, dem Mangel an einem brauchbaren Grundgesetz, dem Mangel an Güte inmitten der Gesellschaft. Würde den Familienmitgliedern Güte entgegengebracht, würden sie sicherlich alle in Glück und Wohlfahrt leben.


Text aus dem "Bahai Briefe, Heft 39, Januar 1970"

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